Lade Veranstaltungen

« Alle Veranstaltungen

  • Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.

Der Kampf ums Proletariat- Über den historischen Gebrauchswert der Arbeiterklasse

Juli 5 @ 20:00 - 22:00 UTC+0

kostenlos

Vortrag & Diskussion mit Niklaas Machunsky

Da sich die Gesellschaft zunehmend polarisiert, wittern die Sachwalter der sozialen Frage ihre Chance. Weite Teile der Gesellschaft sind in prekarisierte Arbeitsverhältnisse abgerutscht und das obwohl die Wirtschaft über Jahre boomte. Dass etwas getan werden muss, darüber herrscht rechts und links Einigkeit. Erstaunlicher aber noch, man ist sich auch bezüglich der Stoßrichtung einig: Zurück zum souveränen Nationalstaat!

Das deutsche Wirtschaftswunder der Vergangenheit stellt sich im Rückblick als rotbäckig, ruhig und hoffnungsfroh dar. Die Zeit des Wunders war eine der Restauration. Sie war geprägt von dem Versuch, die Entfesselung des Nationalsozialismus durch feste Formen wieder einzufangen. Gerade wegen der erfolgreichen Restauration ließ sie sich als eine klar umrissene Gesellschaftsordnung, als eine „nivellierte Mittelstandsgesellschaft“ (Schelsky) oder als „verwaltete Welt“ (Adorno) beschreiben. Es handelte sich um eine Gesellschaft, in der die materiellen Unterschiede schrumpften und die Arbeiterklasse durch Teilhabe am Massenkonsum integriert war. Um eine Gesellschaft also, die geschützt hinter den festen Grenzen des Nationalstaates lebte und deren Mitglieder nach der Arbeit auf der Couch lagen, Derrick schauten, im Neckermann-Katalog blätterten und vom nächsten Campingurlaub träumten. Dieses „Wirtschaftswunder“ der Nachkriegszeit wird heute nur noch selten als Folge des Sieges über Nazi-Deutschland, geschweige denn seiner Vernichtungspolitik erklärt, sondern von Krieg und Barbarei losgelöst betrachtet. Doch es waren gerade die im Krieg entfesselten Produktivkräfte sowie die Vernichtung von Gebrauchswerten und Menschen, die in der Nachkriegszeit die Teilhabe der Massen am Konsum ermöglichten und eben diese Produktivkräfte waren es auch, die die vermeintlich festen Formen wieder verflüssigten.

Weil die Dynamik der in den späten 70er Jahren einsetzenden Globalisierung immer nur noch prekärere Verhältnisse zu schaffen droht und sie zunehmend auch die Mittelschicht ergreift, will ihr rechter und ihr linker Flügel zurück zum Idyll hinter dem Grenzzaun von einst. Dort hoffen die einen das Ethos der Volksgemeinschaft und die anderen Massenkonsum und Vollbeschäftigung zu finden und beide gemeinsam fürchten die Billigkonkurrenz aus dem Ausland. Das Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, sehen beide Fraktionen im Proletariat und deshalb beschwören sie dessen Wiederkehr. Es soll ihnen als Schwungmasse dienen, das Establishment zu verdrängen. Das grün-liberale Establishment, die Mitte, sieht ebenfalls das Potential für eine Revolte wachsen, aber wo die anderen das Proletariat beschwören, erkennen sie nur white trash. Aus demokratischem Respekt sprechen sie es aber als Proletariat an und versprechen ihm neue Formen der Repräsentation. Das Proletariat heute ist deshalb vor allem ein Schreckgespenst, mit dem sich die einzelnen Fraktionen der Mittelschicht gegenseitig bange machen.

Dieser Kampf um und mit dem Proletariat wird im Vortrag dargestellt und die gesellschaftliche Dynamik, deren Ausdruck dieser Kampf ist, beleuchtet. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Entwicklung des Gebrauchswerts gelegt, denn dessen Zerstörung sollte in eins zu gleich das Ende der Geschichte bedeuten. Doch weder kehrt das Proletariat zurück, noch befinden wir uns am Ende der Geschichte!

Niklaas Machunsky lebt in Köln, ist Sozialwissenschaftler und Redakteur der Zeitschrift Prodomo.

Details

Datum:
Juli 5
Zeit:
20:00 - 22:00
Eintritt:
kostenlos
Veranstaltungskategorien:
,

Veranstalter

Referat für Antirassismus und Antifaschismus im AStA der Universität Trier
E-Mail:
astaanti@uni-trier.de
Website:
http://neu.asta-trier.de/referate/antiras/

Veranstaltungsort

Komplex – Infoladen Trier
Hornstraße 7
Trier, 54294 Deutschland
+ Google Karte
Website:
http://komplex-trier.org/